Wer war Lotte Specht?

Lotte Specht

  • gründete 1930 in Frankfurt am Main den 1. Deutschen Damenfußballclub
  • ist deutsche Fußballpionierin

Was die Männer können, können wir auch“

Charlotte („Lotte“) Specht wurde am 16. Oktober 1911 in Frankfurt am Main geboren. Sie wächst im Gallusviertel auf, indem ihre Eltern eine Metzgerei betreiben.

Ins Licht einer größeren Öffentlichkeit rückt die fußballbegeisterte Metzgerstochter, als sie zu Beginn des Jahres 1930, als 19jährige, eine Zeitungsannonce in den Frankfurter Nachrichten aufgibt.

In dieser Anzeige sucht Lotte nach gleichgesinnten Frauen, um mit ihnen einen Fußballverein für Frauen zu gründen. Die Motivation beschrieb Lotte später so: „Meine Idee, die kam nicht nur aus der Liebe zum Fußballsport, sondern vor allen Dingen frauenrechtlerisch. Ich habe gesagt, was die Männer können, können wir auch.“

Die Resonanz auf das Inserat war groß, annähernd 40 Frankfurterinnen meldeten sich und 35 von ihnen gründeten im März 1930 den 1. Deutschen Damen Fußballclub (1. DDFC).

Die Gründung und das damit verbundene Eindringen von Frauen in eine Männersportart löste in der Presse heftige Kontroversen aus. Noch im selben Monat fand sich Lotte Specht auf der Titelseite der Wochenzeitschrift „Das Illustrierte Blatt“ wieder.

Die jungen Frauen, die meisten unter ihnen waren zwischen 18 und 20 Jahre alt, trainierten auf der Seehofwiese in Sachsenhausen. Für kurze Zeit wurde sogar ein männlicher Trainer engagiert.

Offene Anfeindungen & Spott

Neben offenen Anfeindungen und überheblichem Spott gibt es aber auch Unterstützung und Ermutigung für die fußballspielenden Frauen. Besonders Heli Knoll, die für die „Frankfurter Nachrichten“ schreibt, unterstützt die jungen Frauen: „Wir Frauen treiben den Sport, den wir wollen und nicht den, der uns gnädigst von den Männern erlaubt wird.“

Die negativen Reaktionen in der Öffentlichkeit und im persönlichen Umfeld ließen jedoch nicht nach. Man beschimpfte die jungen Frauen als „Mannweiber“ oder „Suffragetten“ und es kam sogar zu Steinwurfen gegen die Sportlerinnen. Der Druck wurde so groß, dass sie bereits im Herbst 1931 den 1. DDFC wieder auflösten, so dass die Geschichte des ersten Frauenfußballvereins eine kurze Episode blieb. Lotte Specht sagte zu den Gründen: „Und weil auch die Zeitungen so gemein zu uns waren, haben einige Eltern den Mädchen das Fußballspielen verboten. Mit der Zeit wurden wir immer weniger und nach einem Jahr, tja, da war er aus, der Traum.“

Die Rolle des DFB

Auch der Deutsche Fußball-Bund verweigerte den Frauen jegliche Unterstützung und lehnte den Aufnahmeantrag des 1. DDFC ab. 1936 wurde die Ächtung des Frauenfußballs vom DFB bekräftigt: In einer entsprechenden Pressemitteilung teilte der Verband mit, dass der Fußball mit der Würde und dem Wesen der Frau unvereinbar sei. Der 1. DDFC Frankfurt wurde nie wieder reaktiviert, erst ab Mitte der 1950er Jahre versuchten Frauen in Deutschland wieder, Fußballspiele zu organisieren. Der Deutsche Fußball-Bund ließ innerhalb seines Verbandes jedoch erst am 31. Oktober 1970, 40 Jahre nach der Gründung des „1. Deutschen Damen Fußballclubs“, den Frauenfußball offiziell zu.

Die Kabarettistin Lotte Specht

Die Eltern von Lotte Specht schickten sie, die eigentlich Lehrerin werden wollte, auf eine Handelsschule. 1935, mit 24 Jahren, besucht sie, gemeinsam mit Liesel Christ eine Frankfurter Schauspielschule Da ihr Vater nicht bereit ist diese Ausbildung zu finanzieren verkauft Lotte auf eigene Rechnung Süßigkeiten in einem Frankfurter Vergnügungspalast. Sie erhält erste Engagements und reist mehrere Jahre mit Dialektparodien und humoristischen Vorträgen durch Deutschland. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kommt sie zurück nach Frankfurt.

Sie tritt im „Sporteck“ an der Mainzer Landstraße auf und ist an der Kaiserstraße Mitbetreiberin des ersten Frankfurter Nachkriegskabaretts „Die Unmöglichen“.

1955 gründet Lotte Specht die erste Frankfurter Mundartbühne.

Nach eineinhalb Jahren ist Schluss mit dem Mundarttheater, da das Fernsehen zunehmend Einzug in die Deutschen Wohnzimmer erhält. Wie beim Frauenfußball ist sie auch hier ihrer Zeit voraus und erst das 1971 von Liesel Christ eröffnete Frankfurter Volkstheater wird mit Mundartstücken erfolgreich.

Lotte Specht nutzt ihre kaufmännische Ausbildung und arbeitet fortan als Sekretärin für die Stadtverwaltung Frankfurts. Doch die Unterhaltungskunst gehört weiterhin zu ihrem Leben. Als „Brezelfrau“ und „Gammlerbraut“ tritt sie bei bunten Abenden auf. Nach ihrer Pensionierung verbringt sie die Winter auf Mallorca, wo sie Deutsche Urlauber*innen mit ihren Parodien im Radio unterhält.

Gedenken an Lotte Specht

Lotte Specht starb hochbetagt im Februar 2002.
Auf Initiative von Helga Roos, vom Sportkreis Frankfurt, trägt seit 2014 eine Grünanlage im Europaviertel, gegenüber der Paul-Hindemith-Schule, den Namen „Lotte-Specht-Park“.


* Textquellen: Wikipedia & Ausstellung: "20 Köpfe - 11 Geschichten. Frankfurter Fußballhistorie - die Pionierinnen des Gallus"
* Fotos: Privates Fotoalbum der Familie Specht